Dissertation eingereicht

Stefan Ossmann hat am 27. Oktober 2021 seine Dissertation mit dem Titel 'Poly lieben, leben, handeln, denken und fühlen. Polyamorie in Eigenwahrnehmung und medial vermittelter Fremddarstellung in deutschsprachigen Ländern 2007-2017' an der Universität Wien eingereicht. Diese wird derzeit von den Gutachter*innen bewertet, mit dem Ergebnis ist Anfang 2022 zu rechnen.

Insgesamt beinhaltet das Werk 435 Seiten und ist derzeit noch NICHT öffentlich einsehbar. Folgend der Abstract der Arbeit.

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Polyamorie – verstanden als konsensuale Beziehung zwischen mehr als zwei Personen, basierend auf emotionaler Liebe und intimen Praktiken über einen längeren Zeitraum hinweg – entwickelt sich in den 1990igern als Gegenstand akademischer als auch gesellschaftlicher Diskussion, wobei sich die Literatur vor allem auf sexuelle Vielfalt in Gesellschaft und Geschichte konzentriert. Die Verankerung von Polyamorie im breiteren LGBTIQ-Diskurs führt zu den Themen, die in der Dissertation diskutiert werden: die Liebes- und Lebensbiographien von involvierten Personen; Kategorisierungen in Bezug auf sexuelle Minderheiten; soziale Akzeptanz durch unterschiedliche Gruppen; die (vermutete) Forderung nach rechtlicher als auch kirchlicher Anerkennung; und die Wissensgenerierung und -verbreitung des Themas Polyamorie.  

Theoretischer Hintergrund ist die kommunikationswissenschaftliche Theorie des Media Framings, auf Basis derer veranschaulicht wird, inwieweit Eigenwahrnehmung und medial vermittelte Fremddarstellung übereinstimmen oder sich unterscheiden. Die dafür angewandten Methoden sind narrative biographische Interviews von 33 Personen aus 14 Polykülen; sowie eine qualitative Inhaltsanalyse von 368 Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in den Jahren 2007 bis 2017 erschienen sind (Vollerhebung).

Die Ergebnisse liefern eine neue, adaptierte Definition des Begriffes Polyamorie, die auf dem Verständnis von polyamorös lieben, leben, denken, handeln und fühlen basiert. Ergänzend dazu werden unterschiedliche Ausprägungen betroffener Personen identifiziert und als Poly Prototypen kategorisiert. Bezugnehmend auf die forschungsleitende Frage entspricht die mediale Repräsentation der Eigenwahrnehmung bei den Liebes- und Lebensbiographien, den Kategorisierungen, sowie den kirchlichen Belangen. Überwiegend entsprechen Selbstbild und Fremdbild beim Wunsch nach rechtlicher Anerkennung; beim Thema sozialer Anerkennung von Polyamorie, als auch bei der Generierung und Verbreitung von Wissen können keine Übereinstimmungen aufgezeigt werden.

 

 

Copyright: Stefan F. Ossmann